BITTE NICHT WEINEN!

Die Stimmung in der Weinwirtschaft scheint in diesem Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht zu haben und ihre Akteure befinden sich wenn nicht in existenziellen, dann doch in wiederkehrenden Motivationskrisen.
Irgendwo zwischen Klimawandel, rückläufigem Alkoholkonsum, schwächelnder Wirtschaft und weltweiten Dauerkatastrophen ist die Zuversicht auf der Strecke geblieben. 
Das trifft auch die Optimisten, und die vielleicht sogar ganz besonders. 
Also hab ich angefangen, mir eine Sammlung mit fundierten, gut geschriebenen Rettungs-Texten anzulegen. Sie erinnern mich, was Wein (auch noch) alles ist, ohne den notwendigen Realismus zu verlieren und den Blick für die sich stark verändernden Strukturen zu vernachlässigen.
In dieser Untergangsstimmung ist es durchaus tröstlich zu lesen, durch welche Zeiten der Weinbau schon gegangen ist, was die Weinbauern von früher überwunden haben. Bei allen aktuellen Herausforderungen, bei aller Angst und Unsicherheit halte ich es für überlebenswichtig, uns daran zu erinnern, was für ein unglaubliches Geschenk es ist, dass wir dieses Kulturgut weitertragen dürfen. (Bäuerliche) Landwirtschaft und die ihr vor- und nachgelagerten Branchen berühren, pflegen und tragen so viel mehr, als es in unserer schnellen, verwirrten Welt oft scheinen mag.
Dass zu viel der guten Getränke unseren Zellen schadet, ist klar. Und Veränderung ist notwendig und wichtig, aber dafür brauchen wir Energie und klare, frische Ideen.  Wenn wir also ab und an gemeinsam ein Glas trinken, uns freuen, lachen und vielleicht auch eifrig diskutieren, bringt uns das im besten Fall wieder einen Schritt weiter. Außerdem tut es unserer Seele gut – auch der kollektiven.
Und für die Ernstfälle halte ich mich an den Rat der Großmutter eines befreundeten Arztes und Professors: wenn die Krise groß ist, dann Champagner und Schinkenbrötchen!